Chart News
März 7, 2017 geposted vonOLJO-Team

Ed Sheeran Chart Overkill! We don’t want that!

Ed Sheeran Chart Overkill! We don’t want that!

Ein historischer Chart Overkill wird am nächsten Freitag in den internationalen Single Charts (UK, USA, Deutschland usw) an das Licht der Öffentlichkeit treten.
Der britische Popsänger Ed Sheeran wird in Europa und Amerika mit jeweils 10 bis 16 Titeln seines am 03.03.17 veröffentlichten quasi titellosen Albums in den nationalen Singlecharts in ziemlich geballter Form auftauchen.

Too much ‚Ed‘ in the UK?

Den Vogel schiesst Ed Sheeran mit einem nie dagewesenen Chartoverkill in seinem Heimatmarkt Grossbritannien ab. Nach unseren Hochrechnungen muss erwartet werden, dass Ed Sheeran die ersten 10 bis vielleicht sogar ersten 15 Positionen der britischen Single Charts durchgehend mit seinen Albumtracks & Singles belegen wird. Das ist zwar sehr schön für den Künstler, aber nicht gut für die Glaubwürdigkeit der Charts. Es werden die einseitigsten Single Top 10 der britischen Chartgeschichte.
Rund 104 Mio Songstreams sind in der laufenden Woche für das neue Ed Sheeran Album zu erwarten. Das ist neuer UK Allzeitrekord.
Etwa 75 Mio der Ed Sheeran Song Streams seines neuen Albums kommen dann noch zusätzlich in die UK Albumwertung. Das entspricht ca. 50 TSD virtuellen Albumsales. Allein das reicht in den meisten ’normalen Wochen‘ fast immer für Platz 1 in den britischen Albumcharts.

USA

In den USA wird in den Single Charts von Billboard die Performance der Ed Sheeran Albumtitel deutlich geringer ausfallen, da hier Videoabspielungen, vor allem aber auch Radioabspielungen sehr chartrelevant sind. Reine Albumtitel werden bei US Radiosendern meist nicht im größerem Umfang gespielt. Zu den meisten Ed Sheeran Albumtiteln gibt es kein offizielles Musikvideo.

Ed Sheerans Album-Performance in Deutschland:

In Deutschland wird Ed Sheeran unserer Erwartung nach mit sagenhaften 16 Songs seines Albums in den am Freitag erscheinenden Single Charts der Musikindustrie gleichzeitig vertreten sein. Ein Allzeitrekord für einen britischen Musikact.

Für die Titel des Ed Sheeran Albums erwarten wir in der laufenden Chartwoche in Deutschland an die 30 Mio Audio-on-Demand Streams. Davon sind schätzungsweise 15,5 Mio chartrelevante Abonnenten-Streams. Der mutmaßlich am schlechtesten abschneidende Albumtrack wird auf ca 4 TSD bis 5 TSD virtuelle Sales kommen (nur Abo Streaming). Das reicht ganz locker, um in die offiziellen deutschen Single Top 100 der Musikindustrie einzusteigen. Ein paar hundert Download Sales kommen da aber noch oben drauf!
Wir meinen 16 Titel eines einzigen Acts innerhalb der deutschen Single Top 100 sind deutlich zu viel des Guten. Hier wird das System bis zum Anschlag ausgenutzt. Die Nachfrage wird verzerrt dargestellt. Zu 70% bis 85% sind die Nachfrager ja dieselben Personen, die eben einfach die Songs des Sheeran Albums in Dauerschleife durchlaufen lassen.

Sales hoch 2:

Wir wollen nicht vergessen, dass fast alle Ed Sheeran Song Streams seines Albums nicht nur als Single Sales gewertet werden, sondern auch noch als Albumsales sozusagen doppelt in die Rechnung kommen. Es werden die 12 meistgestreamten Tracks eines Albums gewertet. Davon die ersten beiden nur mit dem Wert des Durchschnitts der folgenden 10 (warum das so ist, bleibt nicht nachvollziehbar). Geteilt durch 10. Ergäbe für das Ed Sheeran Album in Deutschland in dieser Woche einen virtuellen Albumverkaufswert von etwa 10.000 ‚Stück‘ bzw ca 110.000€ ‚Umsatz‘ (fast genau 10 Mio Abo-Streams kämen in die Wertung, obwohl deutlich mehr tatsächlich gestreamt wurden, da es ja 16 Songs gibt. Nicht nur 12). Allein mit den Top 12 des Albums wäre eine Platzierung innerhalb der deutschen Album Top 10 (ausserhalb der Weihnachtszeit) gesichert. Das Album jedoch hat mehr als 12 Titel. Die schlechtesten 4 fallen unter den Tisch, obwohl sie nachweisslich beträchtlichen Umsatz generieren. Zudem entfällt deer Umsatz der mit dem werbefinanziewrten streaming generiert wird.
Unsere Meinung zu dem Thema: Entweder, man misst den Umsatz richtig, oder man lässt es bleiben.

Unser natürlich unmaßgebliches Chartbeobachter-Fazit:
Mit Single Charts hat der bald Wirklichkeit werdende Sheeran Chart-Overkill besonders im UK ja nun nicht mehr viel zu tun. Es wird ein Albumerfolg aufgezeigt, der 1zu1 in die Single Charts transferiert wurde. Aufgabe einer Singles Chart ist es jedoch nicht, erfolgreiche Alben aufzuzeigen. Dafür gibt es ja bekanntlich die Albumcharts. Wir fordern daher ‚raus mit Albumtiteln aus den Single Charts‘ und ‚endlich nachvollziehbar strenge Regeln für die Feststellung, welche Songs eigentlich echte Singles sind‘.

7 Kommentare

  • Hi Deutschi
    wir üben ganz sachliche Kritik an den Rechentricks und an der Datenakrobatie der Musikindustrie, die mit unserer Meinung nach überzeugenden Argumenten unterfüttert ist. Gfk hat damit nichts zu tun, weil deren Computer nur das errechnet, was die Industrie vorgibt.
    Das veraltete Denken ‚muss in die SINGLE Charts, nur weil es gehört wird‘ sollte, könnte überdacht werden. Man stellt hier usw aber fest, dass da bei einigen ziemlich verbohrtes ‚is halt so wie es ist‘ als ja nun sehr schwaches Argument vorgebracht wird. Man muss sich dabei von seinem ‚Fan sein‘, bzw seinem persönlichen, subjektiven Geschmack trennen, was nicht einfach, bis sogar unmöglich ist. Das verstehen wir sehr gut! Wenn es nach den ‚Fans‘ ginge würden die natürlich am liebsten alle Top 100 Positionen von ihren Lieblingsstars belegt sehen. Für die wäre es auch ok wenn man mit 2000 á 100€ verkauften Boxen Platz 1 der Albumcharts erreicht…Für uns halt nicht.

    LG
    OLJO-Team

    • Für mich haben Videoabspielungen in den Single-Charts genauso wenig verloren, wie das Einfließen lassen von Radioeinsätzen, wie es in den USA geschieht. Was passieren wird und in Deutschland noch passieren muss, ist Streams erst ab 90 sec Play wie überall zu werten und die Anzahl der Plays als ein Äquivalent eines Downloadkaufes von 100 auf 250 oder 500 zu erhöhen.
      Im Übrigen: die Bösen im Spiel von Rechentricks und Datenakrobatik sind nicht diejenigen die die Regeln festlegen, sondern diejenigen die sich die Regeln zu eigen machen oder zu ihrem Vorteil ausnutzen, also die Plattenfirmen.

  • Ich finde es toll das die User jetzt die Single Hits machen und nicht mehr nur die Plattenfirmen. In USA braucht es zb ja immer extrem viel Radio Airplay um längerfristig Hit zu werden. So zb Rihanna mit Love on the brain – nur dank des Radio Airplays. Aber ich finde es toll wenn User ein Album zum Singles Charts Hit machen. Mich nervt diese Dauerschleife eines Hits. Gerade Galway girl und Perfect von Ed Sheeran sind tolle Nummern und soll doch alles charten. Das was die Leute hören ist ein Hit – nicht das was das Radio zu Tode dudelt oder was runtergeladen wird. Als ich Taylor Swift hörte liebte ich Out of the woods. Wozu soll man warten bis das vielleicht mal ein Video bekommt oder ne Single wird? (war die 5. Single am Ende) Galway girl könnte auch im März 2018 ne Single werden. Mich nervt diese eine Single alle 6 Monate Methode enorm.
    Shape of you – Perfect – Galway girl und Castle on the hill das sind alles bereits Hits – in paar Wochen werden das tausende auf Youtube covern und Mädchen auf dem Schulhof singen.

    Also ich finde das super.

  • Hallo Oljo,
    an der ganzen Tatsache gibt es überhaupt keine Probleme oder gar Änderungsbedarf. Das Einzige was geändert werden, ist die Bezeichnung. Nicht Single- sondern Track-Charts oder so ähnlich müsste es heißen. Wenn sonstige Albumtitel ebenfalls einzeln erworben werden, muss deren Erfolg auch in den Charts ablesbar sein. Daher hat man die Methodik in Deutschland umgekehrt, sodass alle Titel automatisch für die Charts angemeldet sind oder eben aktiv abgemeldet werden müssen. 10 Albumtitel, um die Albumäquivalenz durch das Streaming herzustellen wurde deshalb gewählt, weil grob im Schnitt gerechnet die Alben 10 Titel enthalten (ja ich weiß die meisten etwas mehr, ist aber eben so) und man 1000 Streamings als ein Albumäquivalent (10*100) in den meisten Ländern heranzieht.
    Wenn einem der Erfolg von Ed Sheeran nicht passt (was ich hier eher vermute) kann man nicht der Chartermittlungsmethodik die Schuld daran geben, dass so viele Titel von ihm die Charts entern werden.
    Egal wir GfK die Charts in den letzten Jahren auch angepasst hat, es gab von euch immer was zu maulen, zumeist unberechtigt, da die Chartmacher sich die Marktentwicklung auch nicht ausdenken können, sondern mit ihr gehen müssen.
    Einfach mit leben, bei den Rappern hat sich auch keiner gestört dran (außer euch natürlich) :-)
    Schöne Grüße
    Deutschi

    • Hi Deutschi
      also wir sind sicher nicht ‚die Einzigen‘ die sachlich fundierte Kritik äussern. Die Methodik in Deutschland ist insgesamt gesehen auch nur ein Ausschnitt der Marktlage, der auch noch verfälscht dargestellt wird. Downloads z.b. werden je nach Preis unterschiedlich gewichtet. Der gigantische Musikkonsum über Videoplattformen wird gleich gar nicht berücksichtigt. Daher könnte man gestreamte Tracks auch unterschiedlich bewerten, je nachdem ob Albumtrack, oder ‚echte‘ Single. Gibt gar keinen Grund der dagegen spricht.
      Weiteres Problem ist, dass Songstreams und natürlich auch Song Download-Sales, sowohl für die Single Chart Wertung, als auch für Albumwertung herangezogen werden. Wir meinen die Plattenfirmen müssen sich entscheiden: entweder, oder. Doppelt gemoppelt geht nicht.
      Die Marktentwicklung ist ‚erst am Anfang‘. Kann natürlich sein, dass das hier jetzt alles vorrübergehender Natur ist (glauben wir aber nicht). Mal sehen wie es wird, wenn ‚alle über 40jährigen‘ auch streamen. Dann hauen sie uns wohl uralt Klamotten als aktuelle Hits um die Ohren. lol

    • es werden 12 Titel eines Albums gewertet.

      • Sorry mein Fehler.
        Sachlich fundierte Kritik mag sein, ändert aber nichts an meiner festgestellten Tatsache, dass die GfK euch – was die Chartentwicklung angeht – nichts recht machen kann.

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