die seltsame offizielle Chartakrobatik: Lady Gaga mit Paparazzi soll neue deutsche Nr. 1 sein, doch tatsächlich hat der Titel sehr wahrscheinlich gar nicht die meisten Tonträger im Berechnungszeitraum verkaufen können. Nur teilweise hohe Downloadpreise und teure Maxi CDs verhelfen der New Yorkerin auf Platz 1 in Deutschland.











19. Oktober, 2009 um 12:36
Hallo Guy,
Danke für Deinen ausführlichen Kommentar! Deutschland ist mittlerweile der größte Maxi CD Markt der Welt. Das Format Maxi CD erlebt aber auch in Deutschland einen anhaltenden Bedeutungsverlust. Der Absatz von Maxi CDs dürfte 2009 unter die 4,5 Millionen Marke fallen, vielleicht sogar unter 4 Millionen und nimmt stetig weiter ab. 2010 dürfte es schwer werden noch 3 Millionen zu erreichen. Zum Vergleich: In den USA werden gar keine Maxi CDs mehr verkauft, in Großbritannien sind Maxi CDs ebenfalls mit geschätzt nur noch rund 2 Millionen verkaufter Maxi CDs im Grunde bedeutungslos geworden.
Die Zahl der verkauften Einzeltitel Downloads wird in Deutschland 2009 eher 60 Millionen erreichen. Der Absatz digitaler Alben dürfte im Jahr 2009 nah an die 6 Millionen kommen. Das noch anstehende Weihnachtsgeschäft bei dem wir Preissenkungen erwarten, dürfte noch eine Rolle spielen um diese hohen Werte zu erzielen. Einen erheblichen Anteil am guten Absatzverlauf digitaler Alben und von einzeldownloads hatte die Niedrigpreis-Verkaufsaktion beim Start des MP3 Musikshops von Amazon.
In Deutschland ist der Einfluss verkaufter Maxi CDs auf die Charts noch deutlich spürbar, da sich die Verkäufe meist auf nur wenige Titel (5-10) pro Woche stark konzentriert, die bis zu 90% Markanteil im Segment erreichen. Noch verstärkt wird dieser Effekt durch die Vorbestellmöglichkeit. Die Umsatzregelung gilt unserer Kenntnis nach nur in Deutschland. Das ist in etwa so zukunftweisend, wie die hohen Preise die für Downloads und Musik im allgemeinen, die in Deutschland verlangt werden.
Witz an der Sache ist, dass selbst 4,5 Millionen verkaufte CDs fast soviel Gewinn für die Industrie einfahren, wie alle verkauften Einzeldownloads zusammen. Im Schnitt wirft ein Einzeldownload nur klägliche 0,15 € an Gewinn ab, die Cash-Cow Maxi CD aber an die 2 €. Das ist ein wichtiger Grund dafür, dass die Industrie versucht das Maxi CD Format fast schon künstlich am Leben zu halten. Dennoch ist es nur eine Frage der Zeit bis das Format Maxi CD auch in Deutschland klinisch tot ist. In letzter Zeit wurden aber durch Preiserhöhungen deutliche Gewinnverbesserungen im Bereich Einzeldownloads erzielt, was aber auf Kosten einer schnelleren Expansion gegangen ist. Deutschland hinkt im Absatz von Einzeldownloads pro Kopf der Bevölkerung im internationalen Vergleich immer noch weit hinterher. USA erzielt den Wert 3, Großbritannien den Wert 2, Deutschland aber nur einen Wert von 0,7 pro Kopf. Entwicklungspotential ist also eigentlich mehr als genug vorhanden. Immerhin wurde aber Frankreich wieder überholt. Dort ist eine schwere Krise in allen Bereichen ausgebrochen, selbst der Absatz von Musikdownloads sinkt in Frankreich. Wir vermuten die Netzsperrendiskussion als wichtigen Auslöser der französischen Krise.
Liebe Gruß
Olaf
OLJO-Team