Musik-Business
März 3, 2010 geposted vonOLJO-Team

Jagd auf Illegal Downloader: 200.000 Abmahnungen Januar 2010. Rekord!

Abmahnwahnsinn in Deutschland!
Verdacht: Verdient die deutsche Musikindustrie mit dem Abmahngeschäft mehr, als mit ihrem legalem Musik Downloadverkauf?

Erheblich verschärft, wenn nicht sogar uferlos ausgeweitet, hat die deutsche Musikindustrie Anfang 2010 ihre Jagd auf illegale Musik Downloader (Filesharer) in Deutschland. Wie die Zeitung ‚Neue Westfälische‘ auf ihrer Titelseite berichtet, sollen allein im Januar 2010 sage und schreibe 200.000 Abmahnungen an deutsche Internetnutzer verschickt worden sein, denen die Industrie illegales Musik Downloaden meint einwandfrei nachweisen zu können. Im ganzen Jahr 2009 wird von 450.000 Abmahnungen berichtet. Im Januar 2010 dürfte die Steigerung gegenüber Januar 2009 wohl an die 600% Prozent betragen haben!

Die Industrie tritt dabei die Verfolgung der Rechtsbrüche an mitunter durchaus dubiose Drittunternehmen und Rechtsanwaltskanzleien ab. Die Musikunternehmen selber wollen in den Abmahungen nämlich meist nicht direkt als Abmahner in Erscheinung treten.

Das Abmahngeschäft rund um das illegale Downloaden hat damit einen Umfang erreicht, der bedenklich stimmt. Wieviel verdient die Industrie damit eigentlich? Ist es gar so, dass die Industrie mit Abmahnungen mehr verdient, als mit stinknormalen, bezahlten Downloads? Sind legale Musik Downloads etwa in Deutschland deshalb so teuer, um sie unnattraktiv zu machen?

Eine Beispielrechnung (und die ist noch recht konservativ)
Eine Abmahnung als Rechtsvorgang an sich kostet um die 50 € für den Abgemahnten (können aber auch schnell mal 150€ sein, aber nehmen wir mal 50€)
Bei 200.000 Abmahnungen kommt man so auf eine Summe von
10 Mio €. Leichter kann man als ‚Schmarotzer‘ sein Geld ja nicht verdienen. Allein für das Schreiben der Abmahnungen also 10 Mio €! Diese Anwälte sind wahrscheinlich die ersten, die sich über zu hohe Hartz IV Sätze beschweren…

Hinzu kommt der Schadensersatz der gefordert wird. Der liegt eigentlich nie unter 100€.
Nehmen wir 100€ als durchschnittliche Schadensersatzsumme (können aber auch schnell mal ein paar Tausend Euro sein) so kommt man allein im Janaur 2010 auf eine Gesamtsumme von unwahrscheinlichen

20 Mio € (könnte aber auch leicht das Doppelte, oder gar Dreifache sein).

Die Einnahmen aus dem Abmahngeschäft (also Kosten der Täterermittlung minus Bezahlung des Aufwands der engagierten Drittunternehmen/Anwaltskanzleien), die die Industrie erzielt werden in den Bilanzen der Musikkonzernen selbstverständlich vollkommen verschleiert. Wir fordern da mal wahrheitsgemäße Aufklärung!

Mit legal verkauften Musikdownloads erzielte die deutsche Musikindustrie im Jahr 2009 etwa einen Umsatz vom 100 Mio €, pro Monat im Schnitt also nur 8,3 Mio €.

Man könnte so also nun ohne weiteres vermuten, dass die Einnahmen der Musikindustrie aus den Abmahnungen im Januar 2010 mindestens doppel so hoch gewesen sein könnten, wie aus dem legalen Musikverkauf. Hat die Industrie daher überhaupt ein echtes Interesse daran, dass das illegale Downloaden aufhört? Bei den riesigen Summen die mit Abmahnungen verdient werden, kommen diesbezüglich doch beträchtliche Zweifel auf.

Ebenfalls interessant: Was verdienen eigentlich die Musikstars und Komponisten/Texter an dem Abmahngeschäft?

Bedenklich ist ausserdem, dass jeder der Abgemahnt wird, in Zukunft nicht unbedingt begeistert legale Inhalte der Musikindustrie erwerben wird. Die Abgemahnten könnten eine auf lange Sicht verlorene Kundschaft sein. Eigentlich ein unhaltbarer Zustand.

Wann greift der Gesetzgeber endlich ein?

Hinweis: Die Industrie hat natürlich das Recht auf ihrer Seite! In unserem Artikel geht es darum offenzulegen, was die Industrie (und die von ihr engagierten Trittbrettfahrer) mit der Durchsetzung dieses Rechts denn so still und heimlich verdient. Wir empfehlen im übrigem jedem von Filesharing unbedingt die Finger zu lassen. Die Industrie und ihre Helfers-Helfer schrecken mitunter nicht davor zurück einen erwischten Filesharer sogar in den finanziellen Ruin zu schicken.

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