Musik-Business
April 6, 2017 geposted vonOLJO-Team

Deutscher Musikmarkt 2016: deutsche Musikacts die großen Loser!

Deutscher Musikmarkt 2016: deutsche Musikacts die großen Loser!

Umsatz und Absatz der deutschen Musikindustrie im Jahr 2016
(wir zitieren aus einer offiziellen Mitteilung der deutschen Musikindustrie veröffentlicht auf musikindustrie.de):

Digitaler Bereich:

kostenpflichtiges Abo-Streaming: 385 Mio €, +72% gegenüber 2015. ( = 4,70€ pro Kopf, zum Vergleich USA: umgerechnet 11,54 € pro Kopf)
Im Jahresschnitt 2016 gab es in Deutschland knapp 4,75 Mio Personen in Deutschland, die über ein Bezahl-Abo bei einem Audio-Streamingdienst verfügten. Ende 2016 waren es annähernd 6 Mio.

Song Downloads: 66 Mio Stück (-15% gegenüber 2015), Umsatz: 80 Mio € (-16%)
Durchschnittspreis je Song Download: 1,21 €, -1% gegenüber 2015.
Der Absatz von Song-Downloads lag im Jahr 2016 genau auf dem Niveau von 2010 und wird 2017 aller Voraussicht nach in etwa die gleiche Höhe erreichen, wie im Jahr 2009.

Album Downloads: 12,2 Mio (-33,9%), Umsatz: 113 Mio € (- 22%).
Preis je Album Download 2016: 9,26€, 2015: 7,84€
Preisanstieg gegenüber 2015: 18%!!

Physischer Bereich (CDs & Vinyls)

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CD Umsatz & Absatz

:

Der Umsatz, der mit dem Verkauf von Audio Album CDs im Jahr 2016 erreicht wurde ist mit 860 Mio € der Niedrigste seit dem Jahr 1989.
Nur noch 73,8 Mio Audio CDs wurden 2016 in Deutschland verkauft. Das waren 12% weniger, als 2015. Der Absatz 2016 ist der geringste seit 1988.
Der durchschnittliche Preis je Album CD lag 2016 bei 11,65€ (+3,3% gegenüber 2015). Info: 2007 jedoch lag der Albumdurchschnittspreis noch bei 12,42€.

Unter Einbeziehung der Inflation sind Album CDs heute um etwa 15% preisgünstiger als vor 10 Jahren.
Der Anteil, den der Erwerb einer Audio CD am verfügbaren Nettoeinkommen eines Arbeitnehmers ausmachte sank von 2007 bis 2016 um 25%.

Mit 900.000 verkauften CD Singles (nur -10% ggüber 2015) bleibt Deutschland auch 2016 der grösste Single CD Markt der Welt. Auch 2017 kann man davon ausgehen, dass der wöchentliche Single CD Absatz mit 10 TSD bis 20 TSD in der Spitze der Charts weiterhin eine nicht ganz unerhebliche Chartrelevanz aufweist. Die Verkäufe beschränken sich zu annähernd 90% auf etwa 10 Titel wöchentlich.
Der Umsatz erreichte in diesem Sektor nur noch 4 Mio €.
Im Spitzenjahr 1999 waren es noch 318 Mio €. In 17 Jahren sank somit der Umsatz mit Single CDs um fast 99%.

Vinyl LPs

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Bei Vinyls lag der Jahresabsatz 2016 bei 3,1 Mio Stück (+46%). Der Umsatz erreichte 70 Mio € (+40%).
Der Preis pro Album Vinyl sank von 2015 auf 2016 von 23,80€ auf 22,60 € (- 5%).

Album Markt Deutschland, Gesamt-Übersicht:

Der Album Gesamtabsatz erreichte 2016 89,1 Mio Einheiten. Das waren 15,1 Mio weniger als 2015 (-14%).
Der Album-Markt erlebte 2016 den höchsten Stückzahlen-Rückgang seit 2002.
Mit minus 14% gab es 2016 den höchsten prozentualen Rückgang zu vermelden, seitdem es Longplayer in Deutschland zu kaufen gibt.

Musikmarkt Deutschland, Gesamt-Übersicht:

Der Gesamtumsatz der deutschen Musikindustrie erreichte 2016 mit 1593 Mio € (inklusive Hörbücher..) knapp 61% des Durchschnitts der Spitzenjahre 1994 bis 2000 (Durchschnitt damals 2,6 Mrd € Umsatz). Inflationsbereinigt dürfte der Umsatz 2016 nur 50% dessen erreicht haben, was in den Spitzenjahren der Endneunziger anfiel.
Die volkswirtschaftliche Bedeutung des Musikvertriebs bzw Tonträgerverkaufs liegt heute kaum höher als Mitte der 70er Jahre und ist deutlich geringer, als noch Mitte der 80er Jahre.

Entwicklungen nach Musik-Genre:

Mit ca. +17% erzielte das Musikgenre Rap/HipHop 2016 die höchste Umsatzsteigerung aller Musikgenres.
Der Umsatz-Marktanteil von Rap/HipHop stieg von 8,6% auf 9,8%. Hier dürften das gut laufende Geschäft mit überteuerten Boxen einen nicht unerheblichen Einfluss gehabt haben.
Schlageracts büssten hohe 10% Marktanteil ein. Der Anteil von Schlager am Gesamtumsatz sank von 6,1% auf nur noch 5,3%.

Top Genres 2016:

Pop (incl R&B Pop, aber ohne ‚deutsch Pop‘): 25,9% (+0,0%)
Rock: 21,9% (+12%)
Rap/HipHop: 9,8% (+18%)
Dance: 7% (+6,5%)
Schlager: 5,3% (-10%)
Deutsch Pop: 4,9% (-18%)

Umsatzanteil deutscher Musikacts 2016 beim Musikverkauf (ohne Hörbücher)

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Nach einigen vergleichsweise ‚fetten Jahren‘ droht den deutschen Musikacts ein massiver Verlust von Marktanteilen.
Im Jahr 2016 hatten deutsche Musikacts einen Anteil von 59,1 % am Umsatz von 1560 Mio €.
2015 waren es aber noch 64,4% von 1518 Mio €!
Der Umsatz deutscher Musikacts sank somit 2016 um 5%. Sie sind also keineswegs Nutzniesser des Streamingaufschwungs, sondern sie sind die ‚Gelackmeierten‘…Das grosse Kassieren findet bei ausländischen Musikacts statt. Sie konnten ihren Umsatz in Deutschland um satte 18% steigern. 98,4% des Wachstums erzielten die ausländischen Künstler im Bereich Audio-Streaming.

Wie entwickelt sich der deutsche Musikmarkt weiter?

Audio Abo-Streaming als Umsatz-Heilsbringer?

In Deutschland soll es noch über mehrere Jahre (ca 5) im Bereich Audio-Streaming Wachstumsraten geben, die um die 20% bis 60% pro Jahr liegen werden. Ob sich tatsächlich aber die Abo-Einnahmen in den nächsten 5 Jahren z.B. versiebenfachen lassen? (Durchschnittliches Wachstum 48% für 5 Jahre).
Der Umsatz würde in diesem Falle dann allein mit dem Audio-Abostreaming auf fantastische 2,5 MRD € steigen. Der Umsatz mit CDs, Vinyls dürfte dann 400 Mio € betragen und Musikdownloads kämen vielleicht noch auf maximal 70 Mio € Umsatz. Ein solches Szenario ist zwar theoretisch möglich, halten wir aber für etwas unrealistisch. Es müsste sich eigentlich in spätestens 2 Jahren eine deutliche Abschwächung der Wachstumsrate beim Audio-Streaming ereignen. Dennoch wäre ein Streaming-Umsatz von 1,5 MRD bis 2 MRD € im Bereich des Möglichen. Der Gesamtmarkt dürfte dann 2,1 MRD € bis 2,7 MRD € an Umsatz haben. Dennoch werden in 5 Jahren deutsche Musik Acts möglicherweise keinen Cent mehr an Umsatz erzielen, als sie es heute tun. Es kann sogar passieren, dass ihr Umsatz in 5 Jahren sogar niedriger ist, als heute. Praktisch das komplette Markt-Wachstum dürfte an ausländische Musikacts gehen.

Schweden und USA als Beispiele:

Als Beispiel für zukünftige Entwicklungen könnte der schwedische Musikmarkt herhalten. Hier gab es 2016 beim Streaming nur noch ein Wachstum von etwa 9%. Der Umsatz erreichte ca. 950 Mio SKR = 99 Mio € ( = 10 € pro Kopf, inklusive werbefinanziertes Streaming bei Spotify und Youtube). Man wird sehen, ob sich auch in Deutschland ab einem Pro-Kopf Streaming-Umsatz von etwa 10€ die Streaming-Wachstumsraten deutlich abschwächen werden. In den USA gab es 2016 eine knappe Verdoppelung des Streamingumsatzes auf etwa ca 7,80€ pro Kopf (Bruttoumsatz, 7,12 € netto). Im Schnitt gab es in den USA im Jahr 22,6 Mio Personen, die über ein Streaming-Bezahlabo verfügten (ebenfalls eine Verdoppelung). Genau 100 US$ war der Netto-Umsatz der pro Abovertrag eingespielt wurde (7% weniger als 2015). Durch die Einführung von Familien-Paketen dürfte die Nutzungsintensität pro Vertrag bei weitem stärker steigen, als die Einnahmen.

Durch den Aufschwung des Streamings wird in wenigen Jahren, spätestens aber in 7 Jahren 85% bis 90% des Musikvertriebes in Deutschland in Händen von 2 bis 4 ausländischen Unternehmen sein. Über 50% der aktuell im Musikvertrieb unmittelbar und mittelbar beschäftigten Personen in Deutschland werden ihren Job mit anderen Tätigkeiten ausfüllen, oder den Job wechseln müssen.
Auswirkungen wird das Wachstum beim Streaming auch auf den Radiomarkt haben. Die Nutzungsintensität von ‚Radio‘ muss abnehmen, wenn so viele Leute in Zukunft anstatt dem Radio das Streaming zur Musikberieselung nutzen werden. Von daher werden auch im Bereich des Kommerz-Radios Arbeitsplätze in merklicher Zahl verlustig gehen.

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