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verfasst von OLJO-Team

Born This Way, oder die wummernde Melodie des Scheiterns an den eigenen Ansprüchen

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Kennt Lady Gaga das Spiel? Sie mag als kantige Person in aufreizenden Posen wirken, aber ihre Entschiedenheit ist immer mehr eine Sackgasse.

 
Gaga meinte zu ihrem zweiten Album Born This Way, vertrieben vom Label Interscope des Musikkonzerns Universal Music Group, einer der diesjährig meist erwarteten Alben, folgendes: ‚Ich kann Alles sein, ich werde dein Alles sein.‘ – Bingo!

 
Inklusivität (und nicht Exklusivität!) ist das unausgesprochene Ziel der meisten auf Massenkompatibilität ausgerichteten Popmusik der Gegenwart, sei es bei der um jugendliche Aufrichtigkeit bemühten Taylor Swift, oder bei der braves Mädchen-wild geworden Anbiederung von Katy Perry, oder auch bei der Kinderlied Einfachheit der Black Eyed Peas. So ist es natürlich auch bei Lady Gaga. Sie fährt dabei ‚ihre‘ Schiene.

 
Niemand agiert beim ‚Schienenfahren‘ aber zielgerichteter als Lady Gaga.
Ihre Musik und ihr öffentliches Auftreten zielt vordergründig auf Außenseiter: nicht von ungefähr ist sie eine lautstarke Verfechterin für die Rechte von Homosexuellen und Transsexuellen. Áber sie äussert ihre Meinung ungefragt sowieso zu Allem und Jedem, z.B. auch zu Rassendiskriminierung und wachsendem Mobbing an den Schulen.
Das ist ein raffinierter, wenn auch einfacher Trick, denn in der Gaga Welt sind im Grunde einfach fast alle irgendwie als Aussenseiter qualifiziert. Wahnsinnig raffiniert das.
In den letzten zwei Jahren, bei einer Reihe von ausverkauften und auch manchmal gar nicht mal so ausverkauften Konzerten rund um die Welt, erinnerte die Sängerin daher zwangsläufig immer gegen Mitte des Konzerts die Fans daran, dass ihre Konzerte als absolut tabufreie Zone für die persönliche Selbstverwirklichung genutzt werden sollen. Diese Aufforderung mag manchmal einen unbeholfenen Eindruck gemacht haben, aber sie unterstreicht jeden ihrer Schritte als Künstlerin. So ist es auch kein Wunder, dass sie auf ihre Fans als ‚kleine Monster‘ verweist, unterstellt sie so doch geschickt, dass ‚alle Gaga Fans ein wenig seltsam, allein oder missverstanden‘ seien.

 
Der Kehrreim (‚wir sind alle ein wenig Gaga‘) ist in Frechheit verpackt (fleischige Outfits, anstatt der neuesten Versace Roben, Auftritte in eiförmigen Gefäßen als Pseudo-Ausserirdische anstatt auf Kleopatra Thronen) und natürlich aufwendige Videos, die gerne Anleihen bei Hitchcock, Scorsese und anderen Hollywood Filmern machen. Halb kopiert ist schon gewonnen…Schlüppi Szenen fehlen in fast keinem der Videos…

 
Nach einigen Jahren ihrer angeblich ‚wilden‘ Zeit in den New Yorker Clubs (inklusive Drogemissbrauch), starte Lady Gaga im Jahr 2008 mit ihrem Debütalbum ‚The Fame‘, und dem 2009er Nachfolgewerk ‚The Fame Monster‘, die zusammen weltweit Verkaufszahlen von 22 Millionen Alben und 69 Millionen Singles generierten, ihre internationale Star Karriere.

 
Jetzt kommt das Nachfolge Album Born This Way in dem die Selbstdarstellung der Gaga unbarmherzig mit Hilfe so vieler Musik Genres und Sprachen wie möglich in 14 einfache Songs getütet wurde.
Es gibt Lieder, die teilweise in Spanisch und sogar ein ganz klein wenig in Deutsch eingesungen wurden.
Es gibt alle Arten operettenhafter Melodramen, von divenhaften Mini Arien (zum Beispiel das Intro zu ‚Government Hooker‘) bis zu bombastisch Durchgeknalltem (inklusive dem fast schon parodistischem Saxophon Solo von Clarence Clemons in ‚The Edge of Glory‘).
Noch dazu gibt es in vielen der Songs des Album Born This Way ausgesprochene Soldidaritätserklärungen, oder sind es Anbiederungen?, an die ‚bösen, unartigen Kinder‘ O-Ton: ‚Ich bin ein Schwachkopf … Ich bin absurd, ich bin wie ihr‘. Oder: ‚Ich bin doof, du bist doof, wir sind alle doof.‘

 
Ein großer Teil des neuen Gaga Albums wurde nach Konzerten der Monsterball Tour in Lady Gagas Tour Bus Studio erstellt und danach klingt es dann auch – aufgeputscht wummernde, zerhackte und zerfaserte Euro Dance Beats, übertriebene Gitarren Soli, surreale Visionen von herumgaloppierenden Einhörnern und idiotische Verabredungen mit John F. Kennedy. Von Flamenco und Blues, über Einflüsse der 70er Jahre Disco Musik bis zu Glam Rock, es ist schlicht so viel an Musik Genres, wie nur irgend möglich, ins Album gepackt worden. Der ganze Kram ist dann auch noch mit religiösen Bezügen ‚beweihraucht‘ worden: Hier mal Kirchenorgeln, da Kirchenglocken und selbst ganze Lieder wurden rund um umstrittene biblische Figuren gebaut (‚Bloody Mary‘, ‚Judas‘). ‚Kirchliche Symbolik kommt immer gut‘

 
Noch bei ihrem ersten Album stellte sich die Gaga fast noch unbescheiden als eine Popstar Sensation vor, und genau das ist sie dann auch geworden.
‚Born This Way‘ winkt direkt alle anderen mit an Bord, weil aus Gagas Sicht ja ‚Jeder ein Star sei‘, besonders natürlich ihre Fans. Die billige ‚Fangmethode‘ ist schon jenseits von stumpfsinnig. Gaga selbst benutzte das Wort ‚Vorschlaghammer‘, um die Beats auf ihrem eigenem Album zu beschreiben. Damit hätte Miss Germanotti jedoch genauso gut auch die Song Texte des Albums beschrieben haben können. Manchmal liegt der Reiz sogar in der schieren Lächerlichkeit ihrer Einfälle. ‚Ich bin mein Haar / Ich bin so frei, wie meine Haare‘, schmettert sie im Song ‚Hair‘ (in Deutschland bekannt als ‚ich hab die Haare schön, ich hab die Haare schön..lalala..), während ein durch die Stimmverzerrungssoftware Autotune verfremdeter Hintergrundchorus ‚Be My Baby‘ (dt: Sei mein Schatz) tremoliert. Überflüssigerweise schmettert dazu dann auch noch Mr Clemons ein Saxophon Solo. So schiesst man über das Ziel lautstark hinaus…aus gut gemeint wird OMG.

 
Das Tremolo der immergleichen Euro Trash Beats wird für den Zuhörer über ein ganzes Album lang sehr ermüdend. Bei ihren Konzerten spielt Lady Gaga ja in der Regel gerne ‚abgespeckte‘, weniger bombastische Versionen ihrer Songs am Klavier. ‚Born This Way‘ hätten solche Momente der Zurücknahme sicher sehr gut zu Gesicht gestanden….
Als subtile Künstlerin ist Lady Gaga nämlich durchaus in der Lage ihre Zuhörer mit Stimme und Klavierspiel für sich einzunehmen, das beweisen zahlreiche Video-Mitschnitte bei Youtube. Beides, ihre Stimme und ihr Klavierspiel, sind sicher nicht zweitklassig, in diesem Bereich gehört Gaga durchaus mit zur ersten Liga der amerikanische Musik Stars.

 
So wie das Album aber nunmal jetzt ist, kommt Born This Way mit hyperventilierender Musik regelrecht gezwungen und verkrampft ‚rüber. Mit dem käsigem durch Bildbearbeitungssoftware zur Unkenntlichkeit verfremdeten Cover kann Gaga ganz bestimmt auch bei niemandem punkten. Man wollte unbedingt etwas beweisen. Das ging jedoch nach hinten los. Man wollte zuviel. Auf Born This Way lärmt der hastige Sound einer Künstlerin, die es zeitgleich wirklich jedem Recht machen wollte – aber selbst ein Popstar vom Format der Lady Gaga gelingt die gewünschte Quadratur des Kreises nicht. Meilenstein der Popgeschichte, sich selbst neu erfunden? Nee, mal ganz schnell vergessen bitte…

 

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Kolaanonymus"Topmodel"-Finale mit Lady Gaga ausverkauftoliChris Kleiner Letzte Kommentartoren

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Kola
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Kola

Jetzt ist einige Zeit vergangen und BTW funktioniert einfach nicht mehr. weg von der PR Trommel, bleibt ein unreifes Werk übrig, dass für ne Kinderparty genua richtig ist. Ich kann es mir nicht mehr anhören…Ich halte dieses Pochen und Poltern, Geschreie nicht aus. Billig, effekteüberladen und anspruchslos ist es.

anonymus
Gast
anonymus

MUSIKKRITIKEN SIND ABSOLUT SINNLOS!
Was bringt das ganze Wirrwarr? Man entscheidet selber, ob das Album gut oder schlecht ist und lässt sich nicht von Anderen beeinflussen. Ich persönlich finde „Born this Way“ sehr gut.

trackback
"Topmodel"-Finale mit Lady Gaga ausverkauft

[…] die Produkte nicht zum Angebotspreis kaufen konnten Gestern konnten die Kunden das Lady Gaga Album Kritik zum Album Born This WayKennt Lady Gaga das Spiel Sie mag als kantige Person in aufreizenden Posen wirken aber ihre […]

Salem
Gast
Salem
oli
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oli

Kracher: Am 09. Juni steht der 2. TV-Auftritt von Lady Gaga in Deutschland an (nach Schlag den Raab mit „Poker Face“): Das Finale von „Germany’s next Topmodel“ live auf ProSieben!

oli
Gast
oli

US-Medien berichten: Lady Gaga schafft die MILLION in der 1. Verkaufswoche in den USA, was PLATIN bedeutet!

OLJO-Team
Gast
OLJO-Team

Hi Oli
bei sowas doch immer nen Link, das wäre nett

LG
Dean
OLJO-Team

Chris Kleiner
Gast
Chris Kleiner

Mir hat das neue Album weniger zugesagt.. Ausser Born this way, The edge of Glory und Judas seh ich die restlichen Tracks auf ihrem Album als weniger komerziell ausgelegt.. Deswegen denke ich das dieses Album aufgarkeinfall an die 2 Alben davor rannkommen wird.. Ausserdem hab ich auch das Gefühl.. das man mit aller Gewalt versucht irgend ein neuen Trend zu schaffen und den Fans aufzudrücken.. Schon bei der Single „Judas“ hat man gesehn das das nicht so ganz funkzuniert.. Ich find das Album eher nervig als auf den komerziellen Markt ausgelegt! Bitte back to Paparazi Bad Romance und Pokerface!! Danke

silvio
Gast
silvio

Kritik: Born This Way- Oder auch..Abtreibungen können doch eine Alternative sein 😉 – Lady Gaga (jetzt Kacka?) Als alter Mann sollte man ja aktuell bleiben (lol) Ich habe das Album gehört…Rumpel Rumpel Täterääää…Einzig „Yoü and I“ hat mir richtig auf Anhieb gefallen…und das erinnert mich an…wie hiessen die… QUEEEN, richtig, natürlich nur Zufall…natürlich war „Born this Way“ nur zufällig an IHR wisst schon angelehnt…naja „Alejandro“ war ja auch „La Isla Bonita auf Ace of Base“ 😉 Vielleicht liegt es an den teilweise überblubbernden Effekten…an den Schlagerpophymmmmmnen…an das bissel „Scheiße“ Titel 7, dass sie nicht nur besingt sondern auch hier „verwurschelt“.… Weiterlesen »