Musik-Business
verfasst von OLJO-Team

Musicload ist Geschichte! Verkauft!

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Musicload, ein im Jahr 2003 vom gigantischen Telekommunikationskonzern Deutsche Telekom als erster deutscher Musikdownloadshop gegründete Dienst, ist am 28.05.2014 geschlossen worden. Die auf der Musicload-Webseite zu keinem Zeitpunkt bekanntgemachte Shopschliessung war bereits Anfang des Jahres von Managern der Telekom als Planziel verfügt worden. Die Webpräsenz musicload.de und wahrscheinlich auch die wertvolle Kundenstammdaten in Form von Emailadressen und gegebenenfalls Wohnanschriften und dergleichen hat die Telekom an die Dixero GmbH, dem deutschen Ableger des kleinen Web-Technologieunternehmens Dixero aus der Schweiz verkauft. Die Webpräsenzen musicload.at und musicload.ch wurden am 21.05.2014 abgeschaltet.
Ob es für Musicload Kunden eine Möglichkeit den Verkauf/die Weitergabe ihrer auf den Musicloadservern gespeicherten Daten an Dritte (eben dieses Schweizer Unternehmen) zu verhindern ist unbekannt.
Dixero ist ein Partnerunternehmen des Musikgiganten Universal Music Group. Man darf annehmen, dass Universal Music denn auch im Hintergrund möglichweise eine ‘treibende Kraft’ bei der Übernahme der Musicload Webpräsenz und der eventuell auch der Kundenstammdaten ist.

Musicload war in den ersten Jahren nach Gründung im Oktober 2003 mit zeitweise über 50% Marktanteil der größte deutsche Musikdownloadshop. Mit dem Aufstieg von Apples iTunes Shop und dem dann noch vor einigen Jahren erfolgten Einstieg von Amazon ins Musikdownloadgeschäft läuteten für Musicload unüberhörbar die Totenglocken. Der Marktanteil schmolz wie Eis in der Sommersonne. Unserer Einschätzung nach lag der Marktanteil von Musicload beim digitalen Musikverkauf im Jahr 2013 in Deutschland bei deutlich unter 10%. In Österreich und der Schweiz war Musicload bedeutungslos geblieben.

Die Deutsche Telekom steckte auf Grund der vermutlich von ihren Managern als schwierig eingeschätzten Marktsituation im Bereich Musikdownloads schon seit vielen Jahren kaum einen Cent mehr in die Weiterentwicklung ihres einstigen digitalen Musik-Flagschiffes. Man schleppte sich siechend dahin. Das Einzige, was man sich gönnte, waren grad bei Songdownloads die mit Abstand höchsten Preise am Markt. Logisch, dass sowas nicht lange gut gehen konnte, wenngleich die bis heute unbewiesene Behauptung der Telekom Musicload hätte am Ende ‘Verluste geschrieben’ unbelegt ist. Mehr als 15-20 Personen (Teilzeitstellen in Vollzeitstellen umgerechnet) haben unseren Recherchen nach bei Musicload nie gearbeitet. Selbst diese 15-20 waren der Telekom ein böser Klotz am Bein. Das sind ja immerhin 0,009% aller Telekombeschäftigten. Ein Verlust ist bei so wenig Personal (das man ja auch noch hätte reduzieren können) nicht wirklich vorstellbar. Allerdings ist vorstellbar, dass in Zukunft weiter einbrechende Marktanteile irgendwann schon eine Verlustsituation ergeben hätten. Ohne Investitionen in die Zukunft hat man halt keine Zukunft. Das ist in allen Wirtschaftsunternehmen so.

Über die Höhe des Verkaufspreises ist nichts bekannt gemacht worden. Es darf aber behauptet werden, dass allein der Marktname Musicload und die dazugehörige Webadresse mehrere Millionen Euro an Wert haben. Hinzu kommen wahrscheinlich dann noch die zahlreichen Kundenstammdaten ehemaliger Musicload-Kunden. Auch das stellt ein Asset in Millionenwert dar. Ob Millionen bezahlt wurden, oder ob Musicload ‘so halb verschenkt wurde, um es loszuwerden’ steht in den Sternen.

Wie man der derzeit gestalteten Musicload Website entnehmen kann, wird ‘Musicload’ in Zukunft (ab dem 01.06.14) logischerweise ein anderes, ungewohntes Gesicht bekommen. Es sieht alles danach aus, als ob versucht wird, Musicload in so etwas wie einen neuen Musik Abo-Streamingdienst umzuwandeln (wahrscheinlich bei Beibehaltung der Möglichkeit Musikdownloads auch kaufen zu können). Auf so einen Dienst hat der deutsche Markt natürlich gerade noch gewartet. Da tummeln sich ja schon fast ein dutzend Anbieter (die alle das Gleiche zum praktisch gleichen Preis anbieten). Kommt also anscheinend noch einer dazu. Ob ‘den Letzten die Hunde beissen’, oder ob ‘der Letzte von hinten das Feld aufräumen wird’? Ohne eine teure mit langem Atem geführte Preisattacke (und noch dazu eine teure Werbekampagne) erwarten wir Ersteres. Es wird sicher keine einfache Übung Musicload neu zu etablieren. Falls Universal Music tatsächlich da jetzt federführend die Hände mit im Spiel hat, ist ‘Preisattacke’ eigentlich das Allerletzte was zu erwarten ist.
Wir als ehemalige Partner von Musicload (der natürlich zu keinem Zeitpunkt über Änderungen informiert wurde) sind enttäuscht, dass die Deutsche Telekom Musicload wegen erwiesener totaler Unfähigkeit versenkt hat.

Die letzten Top Hits bei Musicload am Tag vor der Schliessung/dem Verkauf waren:

Platz 1 Song Downloads:
Cro mit ‘Traum’

Platz 2 Song Downloads:
Andreas Bourani mit ‘Auf Uns’

Platz 3 Song Downloads:
Aneta Sablik mit ‘The One’

Platz 1 Album Downloads:
‘Sing Meinen Song’ – Das Tauschkonzert

Platz 2:
Helene Fischer mit ‘Farbenspiel’

Platz 3:
Aneta Sablik mit ‘The One’.

Musikgeschichte: So sah die Musicload Website am 27.05.2014 aus:
Musicload Website 2014

Musicload Website 2014

Langweiliger gehts vom Design her kaum. Oder? (die bei Amazon sind ja nun auch keine Design-Weltmeister würden wir mal sagen)
Man achte auf die sehr bescheidene Zahl der Facebook Likes: 1413. Das sind nur doppelt soviele wie bei OLJO.de.
Wir sagen leise Servus.

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chris
Gast
chris

seh ich auch so, kay one (mit dem ihr ja eine affäre nachgesagt wurde) hat ihr da wohl zu den falschen leuten geraten, bzw die falschen leute “auf die an gesetzt”

sich hoch schlafen….(oder der versuch)….kann also manchmal auch gewaltig nach hinten losgehen

somit, hält auch mein mitleid sich arg in grenzen…um nicht zu sagen : “HAHAHAHAHAHAHA!!!!!!!!!!!!!!!!!”

chris
Gast
chris
Salem
Gast
Salem

Wie die Verkäufe im Einzelhandel waren, weiß man ja wie immer nicht. Allerdings werden sie kaum so gigantisch im Vergleich zu den Online-Shops gewesen sein, als dass da noch was zu retten wäre. Das Album ist (auch verkaufstechnisch) ein Flop, da kann man aber auch gar nix schön reden/schreiben.
Die Review von laut.de trifft die Sache auch recht gut:
http://www.laut.de/Aneta-Sablik/Alben/The-One-93352